Gewalt – voll oder Gewalt – frei in Sprache und Kommunikation. Ein Selbstversuch.

  • 0
  • 10. März 2016

Wenn wir uns gegen Gewalt entscheiden, müssen wir auch unseren sprachlichen Ausdruck, unsere Kommunikation unter die Lupe nehmen.
Bewertungen und Beurteilungen haben wenig bis gar nichts mit einer wohlwollenden und unterstützenden Haltung sich selbst und anderen gegenüber zu tun. Wenn sie uns selbst treffen sind wir schnell da mit Gegenangriff und Verteidigungsmauern, die sofort errichtet werden. Schließlich geht „so etwas“ gar nicht, was nimmt sich die/der andere da heraus?
Und obendrein ist es verletzend, so etwas kann unmöglich erlaubt werden.

Es tut also weh, beurteilt zu werden.

Wie sieht es mit IHRER Wertschätzung und Bewertungsfreiheit anderen gegenüber aus?

Sie sagen vielleicht, aber ich muss doch bewerten, ich kann ja nicht alles tolerieren oder gut heißen!
Müssen Sie wirklich? In welcher Gefahr schweben Sie, wenn Sie es nicht mehr tun?

Was wäre, wenn Sie beginnen, bewusster und wohlwollender mit sich selbst und anderen umzugehen?
Was wäre, wenn Sie Beurteilungen und Bewertungen einmal sein lassen und einen Tag lang ausprobieren, wie es sich anfühlt, sich selbst nicht mehr zu kritisieren oder nieder zu machen? Und auch andere nicht!

„Schwierig!“ sagen Sie vielleicht.
Ja stimmt! Doch auf einen Versuch kommt es an, oder?

Nur weil Sie aufhören sich selbst und andere zu kritisieren, sich selbst und andere abzuwerten und zu etikettieren, bedeutet es nicht, dass Sie alles toll finden und allem, was um Sie herum geschieht, zustimmen.

Sie entscheiden ja immer noch selbstverantwortlich, wo Sie zustimmen und wo Sie ablehnen, jedoch ohne zu verurteilen.

Sollten Sie sich auf diesen Selbstversuch einlassen wollen, kann es sein, dass Sie mit sich selbst und mit Ihren Gedanken und Gefühlen näher in Kontakt kommen. Sie würden Ihre Worte vielleicht viel achtsamer wählen und das, was Sie sagen wollen, erst einmal einer Zensur unterwerfen, bevor Sie es wirklich aussprechen. Es kann also passieren, dass Sie stiller werden und nur mehr das sagen, was Sie wirklich sagen wollen.

Wenn Sie achtsamer mit Ihren Worten werden, ist es unmöglich, nicht auch achtsam mit sich selbst und Ihren Gefühlen zu werden.

Also kommen Sie in Kontakt mit Ihren Bedürfnissen.
Das ist gut, weil Sie erkennen können, wo Sie an einem Mangel, also an einem unerfüllten Bedürfnis leiden.
Dafür können Sie dann die Verantwortung übernehmen und Ihr Leben danach ausrichten, Ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Sie merken schon – es kann richtig in die Tiefe führen, wenn wir aufhören, uns selbst und andere abzuwerten oder dauernd Urteile abzugeben.

Der Weg zu einer Gewalt – freien Kommunikation kann nur bei uns selbst beginnen.
Es ist unmöglich sich selbst abzuwerten und zu verurteilen und andere wohlwollend zu behandeln. Genauso unmöglich ist es, andere wohlwollend und unterstützend zu behandeln und sich selbst nicht.
Das Eine bedingt das Andere.

Was dann entstehen kann ist eine wertschätzende Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Diese Haltung führt Sie unweigerlich in eine neue Geisteshaltung und wird Sie verändern. Und das verändert wiederum Ihre Wirklichkeit und die Resonanz, die Ihnen begegnet.

Zum Abschluss vieler vielleicht gewalttätigen Worte und Handlungen und zum Beginn einer neuen Form Ihres sprachlichen Ausdrucks und einer liebevollen Haltung sich selbst und anderen gegenüber, ein wunderschöner Text:

Worte sind Fenster
(oder sie sind Mauern)

Ich fühle mich so verurteilt von deinen Worten,
ich fühle mich so abgewertet und weggeschickt,
bevor ich gehe muss ich noch wissen,
hast du das wirklich so gemeint?

Bevor ich meine Selbstverteidigung errichte,
bevor ich aus Verletzung und Angst heraus spreche,
bevor ich diese Mauer aus Worten baue,
sage mir, hab ich richtig gehört?

Worte sind Fenster oder sie sind Mauern.
Sie verurteilen uns oder sprechen uns frei.
Wenn ich spreche und wenn ich zuhöre,
Licht der Liebe, scheine durch mich hindurch.

Es gibt Dinge, die ich sagen muss,
Dinge, die mir so viel bedeuten.
Wenn sie durch meine Worte nicht klar werden,
hilfst du mir, mich freizusprechen?

Wenn es so schien, als würde ich dich niedermachen,
wenn du den Eindruck hattest, du wärst mir egal,
versuch doch bitte, durch meine Worte hindurch zu hören.
Bis zu den Gefühlen, die wir gemeinsam haben.

Ruth Bebermeyer
Und wenn Ihr Selbstversuch Sie neugierig gemacht hat und Sie mehr über Gewaltfreie Kommunikation wissen und lernen möchten, empfehle ich Ihnen die Werke von Marshall B. Rosenberg: „Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“

Gutes Gelingen und viel Freude mit Ihrem neuen Tun!

Ihre
Sabine Connor Hellermund